Im Gespräch mit Thomas Grimm blickt Egon Krenz, letzter Generalsekretär der SED, auf das Verhältnis zwischen der DDR und der Sowjetunion zurück. Anhand von Erinnerungen an Begegnungen mit sowjetischen Partei- und Staatsführern schildert er die politischen Abhängigkeiten, Interessengegensätze und persönlichen Beziehungen, die das Verhältnis beider Staaten prägten.
Ausführlich berichtet Krenz über die Spannungen zwischen Erich Honecker und der sowjetischen Führung. Dabei geht es um Honeckers Bemühungen um bessere Beziehungen zur Bundesrepublik Deutschland, seine Begegnungen mit Helmut Kohl und die Vorbehalte Moskaus gegenüber einer stärkeren deutsch-deutschen Annäherung.
Ein weiterer Schwerpunkt ist Michail Gorbatschow. Krenz erinnert sich an dessen Aufstieg zum Generalsekretär der KPdSU, an die Erwartungen, die mit seiner Reformpolitik verbunden waren, und an die zunehmenden Meinungsverschiedenheiten zwischen den Führungen in Ost-Berlin und Moskau.
Besondere Bedeutung erhält das Gespräch vom 1. November 1989 zwischen Krenz und Gorbatschow. Nach Krenz‘ Darstellung versicherte ihm der sowjetische Staatschef damals, dass eine deutsche Wiedervereinigung nicht auf der Tagesordnung stehe. Nur wenige Tage später veränderte die Öffnung der DDR-Grenzen die politische Lage grundlegend.
Krenz schildert die widersprüchlichen Reaktionen aus Moskau auf die Ereignisse des 9. November 1989 und beschreibt seine wachsenden Zweifel an der Verlässlichkeit der sowjetischen Führung.
Das Interview endet mit einer persönlichen Bilanz. Krenz spricht über enttäuschte Erwartungen, politische Loyalität und sein bis heute kritisches Urteil über Gorbatschows Verhalten gegenüber der DDR.
Ein Zeitzeugengespräch über Macht und Abhängigkeit, deutsch-deutsche Beziehungen und das Ende einer politischen Allianz – aus der Sicht eines ihrer maßgeblichen Beteiligten.
Weitere Zeitzeugen und Filme zum Thema
Günter Schabowski im Gespräch mit Thomas Grimm
Schabowski erinnert sich an die letzten Monate der DDR,
die Absetzung Erich Honeckers und die Ereignisse
des 9. November 1989.
Das Ende des Politbüros
Der Dokumentarfilm zeichnet den Machtverlust der
SED-Führung im Herbst 1989 bis zur Selbstauflösung
des Politbüros nach.
Aufbruch zur Macht – Angela Merkel und der Demokratische Aufbruch
Der Film begleitet die Entstehung des Demokratischen
Aufbruchs und die politische Neuordnung der DDR
zwischen Herbst 1989 und den Volkskammerwahlen 1990.