Christa Luft – Vor und nach der Wende

Im Gespräch mit Gerd Mangelsdorf blickt die Wirtschaftswissenschaftlerin und ehemalige DDR-Wirtschaftsministerin Christa Luft auf ihren persönlichen und politischen Lebensweg zurück. In zwei ausführlichen Interviews berichtet sie von ihrer Kindheit in Mecklenburg, ihrer wissenschaftlichen Laufbahn in der DDR und ihren Erfahrungen während der politischen und wirtschaftlichen Umbrüche von 1989/90.

Teil 1 – Vor der Wende

Christa Luft erzählt von ihrer Kindheit in einer Neubauernfamilie nach dem Zweiten Weltkrieg. Sie erinnert sich an das Leben auf dem Land, an die Arbeit ihrer Eltern und an die Möglichkeiten, die ihr eine weiterführende Schulbildung eröffnete.

Ihr beruflicher Weg führt sie an die Hochschule für Ökonomie in Berlin-Karlshorst. Dort beginnt sie ihre wissenschaftliche Karriere, die sie schließlich bis zur Rektorin der Hochschule führt.

Ausführlich spricht Luft über die wirtschaftlichen Strukturen der DDR, den Außenhandel und die Zusammenarbeit innerhalb des Rates für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW). Sie schildert die zunehmenden Probleme der sozialistischen Wirtschaft, die Abhängigkeit von sowjetischen Rohstofflieferungen und die Schwierigkeiten, wirtschaftswissenschaftliche Erkenntnisse in politische Entscheidungen einfließen zu lassen.

Besonders eindrücklich erinnert sie sich an ihre Antrittsrede als Rektorin im Jahr 1988. Darin forderte sie, dass Wissenschaftler und Studierende an wirtschaftspolitischen Entscheidungen mitarbeiten sollten, bevor diese von der Parteiführung getroffen wurden.

Teil 2 – Nach der Wende

Im zweiten Gespräch steht die Zeit ab Herbst 1989 im Mittelpunkt. Christa Luft berichtet, wie Hans Modrow sie für seine Regierung gewann und wie sie Wirtschaftsministerin sowie stellvertretende Vorsitzende des Ministerrates wurde.

Sie beschreibt die Arbeit ihrer Regierung in einer Zeit, in der sich die politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse der DDR grundlegend veränderten. Dabei geht es um Reformvorhaben, den Zentralen Runden Tisch und die Frage, welche Zukunft die DDR-Wirtschaft noch haben konnte.

Ein weiterer Schwerpunkt sind die Währungsunion und die Arbeit der Treuhandanstalt. Luft setzt sich kritisch mit der Privatisierung ostdeutscher Betriebe, dem Verlust industrieller Arbeitsplätze und den langfristigen wirtschaftlichen Folgen der Wiedervereinigung auseinander.

Auch ihre spätere Tätigkeit als Bundestagsabgeordnete kommt zur Sprache. Sie berichtet von ihren Bemühungen, ostdeutsche Unternehmen zu unterstützen und wirtschaftspolitische Alternativen in die parlamentarische Diskussion einzubringen.

Zum Abschluss zieht Christa Luft eine persönliche Bilanz des gescheiterten Staatssozialismus. Sie spricht über dessen Fehler und strukturelle Schwächen, aber auch über gesellschaftliche Errungenschaften, die aus ihrer Sicht bewahrt werden sollten.

Zwei ausführliche Zeitzeugengespräche über ein Leben zwischen Wissenschaft und Politik – und über die wirtschaftliche Geschichte Deutschlands vor und nach der Wiedervereinigung.

Weitere Zeitzeugen und Filme zum Thema

Egon Krenz – Der Kreml und die deutsche Nation
Egon Krenz erinnert sich an das Verhältnis der DDR zur Sowjetunion und die politischen Ereignisse des Jahres 1989.

Das Ende des Politbüros
Der Dokumentarfilm zeichnet den Machtverlust der SED-Führung bis zu ihrer Selbstauflösung im Dezember 1989 nach.

Aufbruch zur Macht – Angela Merkel und der Demokratische Aufbruch
Ein Film über die Entstehung einer neuen politischen Gruppierung und die Neuordnung der DDR zwischen Herbst 1989 und Frühjahr 1990.