Karl-Eduard von Schnitzler gehört zu den bekanntesten und umstrittensten Journalisten der DDR. Als Kommentator des „Schwarzen Kanals“ prägte er über Jahrzehnte die politische Auseinandersetzung mit der Bundesrepublik im DDR-Fernsehen.
Doch seine Biografie beginnt lange vor der Gründung der beiden deutschen Staaten. Im ausführlichen Gespräch mit Thomas Grimm blickt von Schnitzler auf seine Herkunft, seine Erfahrungen während des Nationalsozialismus und seine journalistische Laufbahn in Ost und West zurück.
Dabei entsteht das Selbstporträt eines Mannes, der seine politischen Überzeugungen auch nach dem Ende der DDR entschieden verteidigt.
Herkunft, Nationalsozialismus und Widerstand
Karl-Eduard von Schnitzler wächst in einer wohlhabenden Familie auf, deren Mitglieder sehr unterschiedliche politische Wege einschlagen. Während er sich bereits als Jugendlicher der kommunistischen Bewegung zuwendet, unterstützen andere Verwandte den Nationalsozialismus oder gehören zu dessen Gegnern.
Er erinnert sich an seine Schulzeit, den Einfluss seines kommunistischen Bruders und seine Konflikte mit den nationalsozialistischen Behörden. Nach dem Ausschluss vom Studium beteiligt er sich nach eigener Darstellung an illegaler politischer Arbeit.
Während des Zweiten Weltkriegs wird er zur Wehrmacht eingezogen und später in ein Strafbataillon versetzt. Er berichtet von seiner Verwundung, seiner Tätigkeit in Frankreich und seiner Beteiligung am Widerstand. Schließlich gelangt er nach Großbritannien.
Journalist in West und Ost
In England beginnt von Schnitzlers Laufbahn beim Rundfunk. Bei der BBC arbeitet er an deutschsprachigen Sendungen und lernt journalistische Techniken kennen, die seine spätere Arbeit prägen.
Nach Kriegsende kehrt er nach Deutschland zurück und übernimmt Aufgaben beim Rundfunk in Köln. Er schildert seine Zusammenarbeit mit Journalisten unterschiedlicher politischer Richtungen und seine Auseinandersetzungen mit der britischen Besatzungsmacht.
Auch persönliche Begegnungen mit Konrad Adenauer kommen zur Sprache. Ende der vierziger Jahre wechselt von Schnitzler nach Ost-Berlin und setzt seine journalistische Tätigkeit beim Berliner Rundfunk fort.
Der Schwarze Kanal und die politische Propaganda
Ausführlich beschreibt Karl-Eduard von Schnitzler die Entstehung seiner Fernsehsendung „Der schwarze Kanal“. Er erläutert, wie aus einzelnen Kommentaren zu westdeutschen Fernsehausschnitten ein regelmäßiges politisches Format wurde.
Von Schnitzler versteht seine Sendung als Teil der Systemauseinandersetzung zwischen Sozialismus und Kapitalismus. Seine Zuschauer sieht er vor allem in der DDR, deren Bevölkerung er eine Gegenposition zu den westlichen Medien vermitteln will.
Thomas Grimm hinterfragt diese Sichtweise und spricht ihn auf die Glaubwürdigkeit seiner Informationen, die wirtschaftlichen Probleme der DDR und die Wirkung seiner Propaganda an.
Von Schnitzler räumt ein, dass er wirtschaftspolitischen Erfolgsmeldungen zunächst vertraute, ihnen später jedoch zunehmend skeptisch gegenüberstand. Grundsätzliche Zweifel an seiner journalistischen Arbeit weist er zurück.
Ein Leben zwischen zwei deutschen Staaten
Das Gespräch zeigt einen Journalisten, dessen Lebensweg eng mit den politischen Konflikten des 20. Jahrhunderts verbunden ist: Nationalsozialismus, Krieg, deutsche Teilung, Kalter Krieg und das Ende der DDR.
Dabei werden von Schnitzlers Erinnerungen und politische Selbstdeutungen nicht einfach übernommen. Thomas Grimm fragt nach, konfrontiert ihn mit Widersprüchen und lässt ihn seine Positionen ausführlich begründen.
So entsteht ein vielschichtiges Zeitzeugendokument über politische Überzeugung, Journalismus und Propaganda – und über einen Mann, der sich selbst bis zuletzt auf der richtigen Seite der Geschichte sah.
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