Lothar Bisky war Kulturwissenschaftler, Medienforscher, Rektor der Filmhochschule Babelsberg und eine der prägenden Persönlichkeiten der PDS und der späteren Partei Die Linke.
Im ausführlichen Gespräch mit Gerd Mangelsdorf blickt er auf seine Kindheit, seinen ungewöhnlichen Lebensweg zwischen West- und Ostdeutschland und seine politische Karriere nach dem Ende der DDR zurück.
Dabei spricht Bisky offen über persönliche Entscheidungen, politische Überzeugungen und die Widersprüche seiner Zeit. Immer wieder geht es um die Frage, wie gesellschaftliche Veränderungen entstehen und welche Verantwortung der Einzelne dabei übernimmt.
Teil 1 – Kindheit, Wissenschaft und Leben in der DDR
Lothar Bisky erinnert sich an seine Kindheit in Pommern, die Flucht seiner Familie und das Aufwachsen in Schleswig-Holstein. Er schildert die Nachkriegsjahre, seine Schulzeit und die sozialen Verhältnisse, die seine politische Entwicklung beeinflussten.
1959 entscheidet er sich, allein in die DDR zu gehen. Er berichtet über die Beweggründe dieses ungewöhnlichen Schrittes und seine ersten Erfahrungen im anderen deutschen Staat.
Nach dem Abitur studiert Bisky Philosophie und Kulturwissenschaften. Er erinnert sich an seine Studienjahre in Leipzig, an akademische Lehrer und an die politischen Diskussionen jener Zeit.
Später arbeitet er am Zentralinstitut für Jugendforschung. Ausführlich beschreibt er die Möglichkeiten und Grenzen wissenschaftlicher Forschung in der DDR. Die Ergebnisse empirischer Untersuchungen stimmen nicht immer mit den Erwartungen der politischen Führung überein.
Besonders deutlich wird dieser Konflikt bei der Erforschung jugendlicher Lebensweisen, kultureller Interessen und der Wirkung von Medien.
1986 übernimmt Bisky die Leitung der Hochschule für Film und Fernsehen in Babelsberg. Er erzählt von seiner Zusammenarbeit mit Studierenden und Filmschaffenden, von Konflikten um künstlerische Freiheit und seinem Bemühen, auch unbequeme Positionen zuzulassen.
Schließlich erinnert er sich an die zunehmenden politischen Spannungen und an die Ereignisse des Herbstes 1989.
Teil 2 – Wende, PDS und politische Verantwortung
Im zweiten Gesprächsteil berichtet Lothar Bisky über seinen Einstieg in die Politik während der friedlichen Revolution.
Er schildert seine Mitarbeit am Zentralen Runden Tisch, die Umgestaltung der SED zur PDS und die Auseinandersetzungen um die Zukunft der ostdeutschen Medienlandschaft.
Besonders kritisch erinnert er sich an die Übernahme ostdeutscher Zeitungen und Verlage durch westdeutsche Unternehmen. Dabei geht es ihm um die Frage, welche wirtschaftlichen und publizistischen Möglichkeiten nach der Wiedervereinigung erhalten blieben oder verloren gingen.
Bisky spricht über seine Arbeit im Brandenburger Landtag, seine politischen Erfahrungen mit Manfred Stolpe und die Herausforderungen einer demokratischen Opposition.
Auch die Debatten um die Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit und die Tätigkeit parlamentarischer Untersuchungsausschüsse kommen ausführlich zur Sprache.
Später übernimmt Bisky den Vorsitz der PDS. Er berichtet von den existenziellen Schwierigkeiten der Partei, inneren Konflikten und dem Versuch, nach dem Zusammenbruch der DDR eine demokratisch-sozialistische Politik zu entwickeln.
Das Gespräch führt weiter zur Zusammenarbeit mit Oskar Lafontaine, zur Entstehung der Partei Die Linke und zu Biskys Tätigkeit im Deutschen Bundestag und im Europäischen Parlament.
Dabei bleibt er seinen politischen Überzeugungen verbunden, ohne zu behaupten, in seinem Leben immer richtig gehandelt zu haben.
Ein persönliches und zugleich politisch aufschlussreiches Zeitzeugengespräch über deutsche Teilung, Wissenschaft und Kultur in der DDR, die friedliche Revolution und die schwierige Neuorientierung der politischen Linken nach 1989.
Weitere Zeitzeugen und Filme zum Thema
Christa Luft – Vor und nach der Wende
Die ehemalige DDR-Wirtschaftsministerin blickt
auf ihre Erfahrungen vor und nach der deutschen
Wiedervereinigung und die wirtschaftlichen
Umbrüche der Nachwendezeit zurück.
Was bleiben wird – Ein Gespräch über Herkunft und Zukunft
Gregor Gysi und Friedrich Schorlemmer diskutieren
persönliche Erfahrungen, politische Überzeugungen
und die Frage, was von den Hoffnungen und
Enttäuschungen der deutschen Geschichte bleibt.
Gedächtnislücken – Egon Bahr und Peter Ensikat
erzählen sich ihr Leben
Zwei unterschiedliche Lebenswege in Ost und West:
Egon Bahr und Peter Ensikat erinnern sich an
die deutsche Teilung, politische Veränderungen
und die gemeinsame Geschichte nach 1945.