Jahrzehntelang stellte Günter Gaus anderen Menschen Fragen. In seiner berühmten Interviewreihe „Zur Person“ brachte er Politiker, Künstler und Intellektuelle dazu, über ihr Leben, ihre Überzeugungen und ihre Erfahrungen nachzudenken. Im Gespräch mit Thomas Grimm wechseln nun die Rollen: Der Journalist und frühere Ständige Vertreter der Bundesrepublik Deutschland in der DDR erzählt selbst.
In zwei ausführlichen Gesprächsteilen blickt Gaus auf seine Jugend, seine journalistische Laufbahn und die politischen Entwicklungen Deutschlands zurück. Persönliche Erinnerungen verbinden sich dabei mit grundsätzlichen Überlegungen über Geschichte, Verantwortung und die deutsche Einheit.
Teil 1 – Journalismus, Nachkriegszeit und deutsche Teilung
Günter Gaus erinnert sich an seine Jugend während des Nationalsozialismus, das Ende des Zweiten Weltkriegs und seine politische Orientierung in der Nachkriegszeit. Er spricht über die deutsche Schuld, seine Studienjahre und seine Entscheidung für den Journalismus.
Ausführlich schildert er seine Arbeit bei der Süddeutschen Zeitung und beim Spiegel. Dabei geht es auch um Rudolf Augstein, die politische Atmosphäre der fünfziger Jahre und den Bau der Berliner Mauer 1961.
Im Mittelpunkt steht immer wieder die Frage, wie es zur deutschen Teilung kam und welche Verantwortung die politischen Akteure in Ost und West dafür trugen. Gaus betrachtet die Entwicklung der Bundesrepublik ebenso kritisch wie die der DDR.
Auch die Entstehung seiner journalistischen Porträts und seiner Fernsehinterviews kommt zur Sprache. Gaus erzählt von Begegnungen mit Politikern und reflektiert darüber, wie Journalismus Menschen und politische Entwicklungen sichtbar machen kann.
Teil 2 – Willy Brandt, Ostpolitik und die DDR
Im zweiten Gesprächsteil steht die deutsche Ostpolitik im Vordergrund. Gaus berichtet von seinem Verhältnis zu Willy Brandt und davon, wie ihm das Amt des Ständigen Vertreters der Bundesrepublik in der DDR angeboten wurde.
Er erinnert sich an seine Ankunft in Ost-Berlin 1974, die diplomatische Arbeit und die Schwierigkeiten der deutsch-deutschen Beziehungen. Dabei gewährt er auch Einblicke in den Alltag der Ständigen Vertretung.
Ein wichtiges Thema sind die menschlichen Schicksale hinter den politischen Verhandlungen: inhaftierte Bundesbürger, Ausreisewünsche und vertrauliche Gespräche mit DDR-Vertretern. Gaus berichtet unter anderem über seine Zusammenarbeit mit dem Rechtsanwalt Wolfgang Vogel.
Darüber hinaus diskutiert er die Frage einer gemeinsamen deutschen Nation, die Rolle der Kultur und die unterschiedlichen Vorstellungen von deutscher Identität in beiden Staaten.
Zum Abschluss kehrt das Gespräch zu seiner Interviewreihe zurück. Günter Gaus reflektiert über die Menschen, denen er begegnete, über den Wandel der Generationen und über den Verlust politischer und gesellschaftlicher Utopien.
Ein außergewöhnlich persönliches Zeitzeugengespräch mit einem Journalisten und Diplomaten, der die Geschichte der Bundesrepublik und die deutsch-deutschen Beziehungen über Jahrzehnte aus nächster Nähe begleitete.
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