Klaus Kinkel gehörte zu den prägenden deutschen Politikern der Zeit nach der Wiedervereinigung. Als Präsident des Bundesnachrichtendienstes, Bundesjustizminister und Bundesaußenminister erlebte er entscheidende politische Veränderungen aus unmittelbarer Nähe.
Im ausführlichen Gespräch mit Thomas Grimm blickt Kinkel auf seine Kindheit, seinen ungewöhnlichen Weg in die Politik und seine Zusammenarbeit mit Hans-Dietrich Genscher zurück.
Besonders aufschlussreich sind seine Erinnerungen an die Arbeit des Bundesnachrichtendienstes während des Kalten Krieges, die deutsche Wiedervereinigung und die juristische Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit.
Kindheit, Nachkriegszeit und der Weg in die Politik
Klaus Kinkel erinnert sich an seine Kindheit in Hechingen, die Kriegsjahre und die Rückkehr seines Vaters aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft.
Er schildert die schwierigen Lebensverhältnisse der Nachkriegszeit, seine Schuljahre und seine Begeisterung für den Sport.
Ursprünglich möchte er wie sein Vater Arzt werden. Doch nach ersten Erfahrungen im Krankenhaus entscheidet er sich gegen die Medizin und beginnt ein Jurastudium.
Seinen späteren politischen Aufstieg beschreibt Kinkel nicht als langfristig geplante Karriere. Vielmehr hätten sich durch seine berufliche Tätigkeit immer wieder neue Möglichkeiten ergeben.
Hans-Dietrich Genscher und die Arbeit beim Bundesnachrichtendienst
1970 beginnt Kinkels enge Zusammenarbeit mit Hans-Dietrich Genscher. Er erinnert sich an dessen außergewöhnliche Arbeitsdisziplin, persönliche Eigenheiten und seine tiefe Verbundenheit mit der deutschen Heimat.
1979 übernimmt Kinkel die Leitung des Bundesnachrichtendienstes.
Ausführlich berichtet er über die Aufgaben des Nachrichtendienstes während des Kalten Krieges, die Aufklärung des Warschauer Paktes und die Auseinandersetzungen mit den Geheimdiensten der DDR.
Dabei spricht er unter anderem über den DDR-Auslandsnachrichtendienst unter Markus Wolf, den Fall Werner Stiller und die Zusammenarbeit mit amerikanischen Nachrichtendiensten.
Kinkel blickt auch kritisch auf die Veränderungen der Geheimdienstarbeit durch Digitalisierung und technische Überwachung zurück.
Deutsche Einheit und die schwierige Aufarbeitung der DDR-Vergangenheit
Nach dem Ende der DDR ist Klaus Kinkel als Staatssekretär und späterer Bundesjustizminister unmittelbar an der praktischen Umsetzung der Wiedervereinigung beteiligt.
Er schildert die schwierigen Verhandlungen über Eigentumsfragen, die Neuordnung des Rechtssystems und den Umgang mit früheren Funktionsträgern der DDR.
Dabei erläutert er seine Haltung zur juristischen Aufarbeitung: Die Strukturen des DDR-Staates sollten kritisch untersucht werden, ohne die Menschen pauschal zu verurteilen.
Kinkel erinnert sich außerdem an Michail Gorbatschow, Boris Jelzin und die Verhandlungen über den Abzug der sowjetischen Truppen aus Deutschland.
Auch sein Verhältnis zu Helmut Schmidt und die politischen Entscheidungen der damaligen Bundesregierung kommen zur Sprache.
Erich Honecker und die Rückkehr aus Moskau
Ein besonders bemerkenswerter Teil des Gesprächs beschäftigt sich mit dem Schicksal Erich Honeckers nach seinem Sturz.
Kinkel berichtet aus eigener Erfahrung von den Verhandlungen mit Russland über die Rückkehr des ehemaligen DDR-Staatschefs nach Deutschland.
Als Bundesjustizminister trägt er politische Verantwortung für die Bemühungen, Honecker der deutschen Justiz zu überstellen.
Zugleich spricht Kinkel über die schwierige menschliche Situation des schwer kranken Politikers und die Notwendigkeit, zwischen persönlichem Mitgefühl und rechtsstaatlicher Verantwortung zu unterscheiden.
Diese Ereignisse werden auch in der GrimmChronik-Dokumentation „Honeckers letzte Reise – Das Tauziehen um den einstigen Staatschef der DDR“ ausführlich behandelt.
Außenpolitik und persönlicher Rückblick
Klaus Kinkel erinnert sich an seine Zeit als Bundesaußenminister, die Zusammenarbeit mit internationalen Politikern und die politischen Herausforderungen nach dem Ende des Kalten Krieges.
Dabei wird deutlich, welche Bedeutung die politischen Veränderungen in Osteuropa für die Neuordnung Deutschlands hatten. Einen ergänzenden Blick auf diese Zeit bietet der Film „Aufbruch zur Macht – Angela Merkel und der Demokratische Aufbruch“.
Zum Abschluss spricht Kinkel über sein Ausscheiden aus der aktiven Politik, seine weitere Tätigkeit als Rechtsanwalt und sein Engagement für soziale und gemeinnützige Projekte.
Ein persönliches Zeitzeugengespräch über politische Verantwortung, Geheimdienste, deutsche Einheit und die Herausforderungen einer sich verändernden Weltordnung.
Weitere Zeitzeugen und Filme zum Thema
Helmut Schmidt – Europas Rolle im Konzert der Weltmächte
Der ehemalige Bundeskanzler spricht über die
außenpolitischen Herausforderungen Europas,
internationale Machtverhältnisse und die Rolle
Deutschlands in der Weltpolitik.
Die DVD ist im GrimmChronik-Shop erhältlich.
Honeckers letzte Reise – Das Tauziehen um den
einstigen Staatschef der DDR
Die Dokumentation rekonstruiert Erich Honeckers
Weg vom Machtverlust bis zu seinen letzten
Lebensjahren in Chile. Auch Klaus Kinkel
berichtet als Zeitzeuge über die Ereignisse.
Aufbruch zur Macht – Angela Merkel und
der Demokratische Aufbruch
Der Film begleitet die politischen Veränderungen
im Herbst 1989 und die Entstehung neuer
demokratischer Strukturen auf dem Weg
zur deutschen Wiedervereinigung.